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Gericht wertet die Summe der Beweise - Usinger schweigt bis zum bitteren Ende
Schwere räuberische Erpressung und gefährliche Körperverletzung - es war nicht gerade ein Pappenstiel, was dem 26-jährigen Usinger in dem Prozess im Frankfurter Landgericht vorgeworfen wurde. Er hatte im vergangenen Oktober das Spielcasino Royal in Usingen überfallen, einen älteren Gast mit einem Metallstock brutal geschlagen und diesen sowie eine Angestellte in eine Abstellkammer eingesperrt. Gestern endete der Prozess. Das Urteil: sechseinhalb Jahre Haft. Der Strafrahmen liegt in solchen Fällen zwischen fünf und 15 Jahren. Vielleicht wäre der Prozess für den Angeklagten besser ausgegangen, wenn er was gesagt hätte, meinte der vorsitzende Richter. Dann hätte das Gericht etwas über das Motiv und die Lebenssituation erfahren, außerdem hätte der 26-Jährige Reue zeigen können. Doch der Mann, der seit März in Untersuchungshaft sitzt, schwieg. Erst ganz zum Schluss, in seinem „letzten Wort“ vor der Urteilsverkündung, machte er den Mund auf. „Ich bin geschockt“, sagte er. „Seit fünf Monaten bin ich in Haft, ohne dass ich etwas getan habe. Und das geht mir an die Substanz.“ Sein Rechtsanwalt hatte einen Freispruch gefordert, weil dem 26-Jährigen die Tat angeblich nicht zweifelsfrei nachzuweisen sei. Das sahen der Staatsanwalt und auch die 30. Große Strafkammer ganz anders. „Die Summe der Beweise ist erdrückend“, meinte der vorsitzende Richter. Da waren zum einen die Aufnahmen der Videokamera, die einen großen und kräftigen Mann zeigen. Und die Angestellte des Casinos hatte ihn trotz Maskierung eindeutig erkannt - schließlich war der 26-Jährige Stammgast. Eine Freundin, zu der er mitten in der Nacht nach der Tat geflüchtet war, sah das Geld und die Waffen. Außerdem war der Mann auffällig nervös. Sie sollte ihm ein Alibi geben und sagen, dass er die ganze Nacht bei ihr gewesen sei - das tat die Frau jedoch nicht. Einen Tag nach der Tat fuhr er mit einem Freund nach Frankfurt und zeigte sich dort äußerst spendierfreudig: Innerhalb weniger Stunden verprasste er eine Summe, von der er normalerweise fast einen Monat lang leben muss. Am Abend in einer Kneipe in Friedberg erzählte er seinem Freund schließlich von dem Überfall. Der nahm ihn erst einmal nicht so ernst. Denn zum einen kannte er - wie auch die weiteren Freunde und Bekannten des Mannes - den 26-Jährigen eigentlich als netten Kerl. Aber auch als Großmaul. So erzählte der Usinger gerne von seinen angeblichen Verbindungen ins Frankfurter Rotlichtmilieu und einer Mitgliedschaft bei den Hells Angels. Einen Tag vor der Tat hatte er sich noch bei einer Angestellten des Casinos erkundigt, wer den Dienst habe. Etwa um 3.30 Uhr in der Nacht drang er in das Casino ein und schlug dem schmächtigen Rentner, der gerade beim Spielen war, zwei Mal mit dem Metallstock heftig auf den Kopf. Der Mann brach blutend zusammen, bis heute leidet er an den Folgen der Schläge. Die Angestellte erkannte den 26-Jährigen sofort als ihren Stammgast. Kurz überlegte sie, ob sie ihn nicht ansprechen solle, ließ es dann aber doch. Sie musste ihm das Geld aus der Kasse in einen Rucksack füllen, dann sperrte der Mann sie und den verletzten Gast in die Abstellkammer. Der 26-Jährige flüchtete zu der Freundin nach Rosbach. Kurz nach dem er weg war, kletterten seine beiden Opfer über die Tür der Kammer und holten Hilfe. „Ich bin überzeugt, dass er der Täter ist“, meinte der Staatsanwalt über den nicht vorbestraften Angeklagten und forderte eine Haftstrafe von sieben Jahren und acht Monaten. „Die Tat war von Brutalität und von Dummheit geprägt“, lautete das Resümee des vorsitzenden Richters. „Vielleicht war er danach von sich selbst überrascht.“ |
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