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Alt 14.03.2010, 13:53   #1 (Permalink)
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Standard Online-Zensoren auf dem Vormarsch

Wikipedia lesen, YouTube schauen oder Twitter-Nachrichten schreiben: Hierzulande eine Selbstverständlichkeit, ist die Nutzung dieser Web-Dienste in Ländern wie Syrien, Vietnam oder Tunesien gar nicht oder nur unter erheblichen Einschränkungen möglich. Die drei Staaten gehören laut einem aktuellen Bericht von "Reporter ohne Grenzen" (ROG) zu den zwölf "Feinden des Internet". Damit macht die internationale Organisation, die sich für Meinungs- und Pressefreiheit einsetzt, am "Welttag gegen Internetzensur" auf die global zunehmenden Repressionen gegen Blogger und Websurfer aufmerksam.

Menschen in etwa 60 Ländern waren 2009, so der ROG-Bericht, in irgendeiner Form von Internetzensur betroffen - das sind doppelt so viele Staaten wie 2008. Bürgern wird der Zugriff auf Online-Quellen, deren Inhalte der Regierung nicht genehm sind, verwehrt. Behörden erstellen mithilfe von Software Listen von Webseiten, die bestimmte Begriffe beinhalten oder von Regierungsgegnern geführt werden.

Gegen die Online-Kritiker wird hart durchgegriffen:

Weltweit sind derzeit 119 Web-Journalisten inhaftiert. davon allein 72 in China. Schätzungen der "OpenNet Initiative", die von führenden Universitäten in den USA und Kanada aus staatliche Internet-Kontrolle dokumentiert, unterliegen derzeit 560 Millionen Menschen weltweit der Internet-Zensur - das sind 30 Prozent aller Web-Surfer. 15 der 20 größten Webseiten der Welt wurden im vergangenen Jahr auf irgendeine Art gefiltert oder blockiert. Im Visier der staatlichen Zensur stehen vor allem das Video-Portal YouTube, das Online-Netzwerk Facebook, das Plauder-Portal Twitter sowie Weblog-Plattformen wie WordPress.

"Ein YouTube-Video kann den Machtmissbrauch einer Regierung vor der ganzen Welt enthüllen", so Jean-Francois Julliard, Generalsekretär von "Reporter ohne Grenzen". Er führt die Ermordung der iranischen Studentin Neda Agha-Soltan an, die im Juni bei Protesten gegen die Präsidentschaftswahl in Teheran erschossen wurde. Das ihren Tod zeigende Video wurde tausendfach abgerufen und sorgte international für Entsetzen.

Das "Social Web", wie die Mitmach-Dienste auch genannt werden, ist zunehmend Spielball der Weltmächte. Mark Pfeifle, Ex-Sicherheitsberater von George W. Bush, etwa hat Twitter für den Friedens-Nobelpreis vorgeschlagen - ein direkter Affront gegen den Iran, diente die Webseite Regierungskritikern doch als wichtigstes Sprachrohr im Ausland.

Während in arabischen und asiatischen Staaten stark politisch zensuriert wird, findet in westlichen Ländern vor allem soziale Online-Zensur statt. Von USA über Großbritannien bis Deutschland werden Online-Inhalte zu Alkohol, Drogen, Sex oder Glücksspiel gefiltert. Australien hat es sogar auf die ROG-Liste der Staaten mit zunehmender Zensur geschafft: Ab Mitte 2011 sollen neue Internet-Filter gefährliche ausländische Inhalte wie Kinderpornografie blockieren. Kritiker sehen in dem Gesetz aber nur den Wegbereiter für staatliche Kontrolle auch in anderen Bereichen.
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