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Poker Stratege
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09.03.2007
Zocken im Abenteuerland des Bluffs Eine Viertelstunde nach Anfang war Jorrit van Hoof schon am Ende. Handschlag mit dem Kollegen von gegenüber, der den Niederländer beim größten Poker-Turnier Deutschlands zum "fliegenden Holländer" gemacht hat. Er hat sich verzockt, sein Pärchen Asse hat ihn gelockt. Aber sein Gegenüber hat besser geblufft. Er blättert einen Drilling Zehnen hin. Van Hoof hat 5000 Euro verdampft. Die 500 Teilnehmer (Startgebühr je 5000 Euro) der European Poker Tour schießen bis Sonntag im Spielcasino Hohensyburg ihren Gewinner in der Variaton "Texas Hold´em" aus. 2,35 Mio. Euro liegen im Pott, 691 000 davon darf sich der Sieger einsacken. Alles "Cincinnati Kids", alles Kinder in einem ernsten Spiel, auch die Alten. Klaus Baumgard, die eine Hälfte des Gesangs-Duos "Klaus und Klaus", ist mit einem orangenen Jackett der Leuchtturm in dem Saal mit 35 Tischen. "Pokern ist geilste Strategie", meint er, "es ist kein Glücksspiel." Seit 36 Jahren spielt er: "Immer noch im schwarzen Bereich - sonst würd´ mir meine Frau auch die Birne einhauen." Um 15.30 Uhr fächerte Dealer (Spielleiter) Patrick Eischelmann die ersten Karten auf, bis 24 Uhr wurde gestern gezockt. Die ersten drei Stunden will Klaus konservativ spielen. Er zählt sich zu den Leuten, "die auch mal ´ne gute Hand wegwerfen". Wer ´n Pferd auf´m Flur stehen hat und auch sonst keinem Schwank von der Nordseeküste Strand abgeneigt ist, spielt eben nie gegen sein Gefühl. 99 Prozent der Leute an den Tischen würden im Casino an der Kleiderordnung scheitern, soviel steht fest. Sie haben Buddhas vor sich stehen, kommentieren laut. Manche tragen Anglerhüte, andere ihre Kappen nach hinten gedreht, verspiegelte Brille vorn, viel Skater-Szene. Richard Toth gehört dazu. Er stülpt sich Kopfhörer über die Ohren, totale Ausdruckslosigkeit im Blick. Manche sind runtergeschraubt bis zur Leblosigkeit. Im Casino Kopenhagen hat Toth zuletzt 179 900 Euro abgezogen. Die Szene kennt sich natürlich, die Dialoge sind manchmal kurz. "Hey, grüß Dich." "Bin raus." Christian Walschewski gewinnt das erste Spiel. "Da sieht man mal, wieviel Ahnung ich hab´", grinst er. Er lockt. Vereinzelt sitzen Frauen mit am Tisch. Einige tragen schluchtentiefe Dekollete?s, die sind alles andere als geblufft. Das ist harte Währung. Das Klicken der Chips füllt den Raum, es werden Brezel gereicht, Mineralwasser. Vorsichtig werden Kartenecken hochgebogen. Der Dealer bietet in der Mitte fünf offene Karten, die von jedem am Tisch zur Bildung seiner Hand verwendet werden können. Auch Mats Iremark ist auf der Suche nach dem Glück. Seine Hände fliegen. Wenn sie keine Karten halten, drehen sie wie irre den Zauberwürfel "Rubik´s Cube". Zwei Tische weiter eine Er-und-Sie-Geschichte. Er ist unglaublich lässig. Sie hockt sich neben ihn und fängt an, seinen Unterarm zu massieren, erst links, dann rechts. Er trägt die Verantwortung, sie trägt ihr Dekollete?: "Full House" am Weltfrauentag. Aber irgendwas muss sie missverstanden haben. waz.de |
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