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Google hat eine Ausnahme seines globalen Werbeverbotes für Glücksspiel beschlossen: Im Mutterland der Wetten Großbritannien dürfen Online-Casinos und Co jetzt wieder Werbung bei der Suchmaschine schalten. Politiker und Kirchenvertreter kritisieren diese Entscheidung als den »Gipfel der Dummheit«.
Nirgends werden Briten ihre Pfunde schneller los, als im Online-Casino - ganz ohne Diät Nach vier Jahren lockert Google in Großbritannien sein ursprünglich weltweit gültiges Verbot für Glücksspielwerbung. Damit können Online-Casinos und ähnliche Anbieter auf der Insel jetzt wieder Werbung auf den Seiten der Suchmaschine schalten. Während sich die Glücksspielindustrie natürlich über diese Entscheidung freut, gibt es aus anderer Richtung aber heftige Kritik. Laut einem Bericht der britischen Zeitung »Independent« haben neben Vertretern der Church of England auch mehrere Abgeordnete gewettert, die Entscheidung von Google das Verbot zu lockern sei »unverantwortlich«. In anbetracht steigender Zahlen spielsüchtiger Engländer warnten die Politiker davor, das Problem durch eine Aufweichung des Werbeverbotes weiter zu verschlimmern. »Was auch immer die Leute auf Google suchen, bei kaum einer Sache sind die Chancen, ein Problem zu bekommen, das einen derart starken negativen Effekt auf einen selbst und die eigene Familie haben kann, größer als beim Glücksspiel«, konstatiert ein Sprecher der Church of England gegenüber dem Independent. Gerade in diesen wirtschaftlich eher schwierigen Zeiten sei der Umschwung Googles äußerst problematisch. »Da die Menschen sich mit einer zunehmenden finanziellen Unsicherheit konfrontiert sehen, wirkt die Vorstellung, schnell zu Geld kommen zu können, überaus attraktiv. Gleichzeitig sind die Konsequenzen von Verlusten aber dementsprechend schwerwiegend«. Noch deutlichere Worte fand der frühere britischen Verteidigungsminister Peter Kilfoyle. Für ihn ist es gar der »Gipfel der Dummheit«, dass Google ausgerechnet jetzt das Werbeverbot lockert: »Es ist jetzt wohl der schlimmste Zeitpunkt, die Menschen zum Glücksspiel zu ermutigen. Schließlich befinden wir uns gerade in einer Finanzkrise, die durch rücksichtsloses Glücksspiel an den Märkten verursacht wurde«, so Kilfoyle. Er wies dabei auch darauf hin, dass die britische Hilfsorganisation GamCare erst in der Woche vor Googles Entscheidung einen Anstieg der Spielsüchtigen in Großbritannien um satte 25 Prozent gemeldet hatte. Demnach hatten sich allein im vergangenen Jahr an die 38.000 Briten mit ihrem Spielproblem über die Notfall-Hotline an die Organisation gewandt, die Höhe ihrer Spielschulden betrug durchschnittlich 17.500 Pfund (rund 22.700 Euro). Google selbst ist sich jedoch keiner Schuld bewusst und verweist im Gegenteil darauf, dass die entsprechenden Werbebestimmungen für Glücksspielangebote in Großbritannien inzwischen auch im TV gelockert worden seien. Es würden zudem ohnehin nur solche Werbekunden akzeptiert, die bei einer britischen oder europäischen Aufsichtsbehörde registriert sind. »Wir hoffen, dadurch die Sucherfahrung der Nutzer und ihre Erreichbarkeit für unsere Werbekunden zu verbessern«, erklärt James Cashmore, zuständig für Werbung bei Google Großbritannien. Keine Änderungen in Deutschland Cashmore weist ausserdem darauf hin, dass Glücksspielwerbung auch bei Google UK weiterhin automatisch als nicht-familiensicher klassifiziert wird. »Nutzer, die den Safe-Search-Filter unserer Suchmaschine aktiviert haben, werden keine derartigen Werbeeinblendungen zu sehen bekommen«, merkt Cashmore an. »Auswirkungen dieser Entscheidung für Deutschland gibt es keine. Was das Verbot von Glücksspielwerbung betrifft, so halten wir uns an die jeweilige landesspezifische Rechtssprechung«, betont Kay Oberbeck, Sprecher von Google Deutschland, gegenüber der Agentur pressetext. |
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