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Alt 01.02.2009, 12:43   #1 (Permalink)
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Standard Lotto-Bürger mit Staatsvormund

Kaum jemand kann glaubhaft machen, dass er in den vergangenen Tagen nicht für ein paar Sekunden an einen Millionengewinn gedacht hätte.

Aus Sicht von Finanzminister Peer Steinbrück sind 35 Millionen Euro eigentlich Peanuts. Eine winzige Summe im Vergleich zu den Milliardenbeträgen, um die er zurzeit fast täglich feilschen muss. Und doch geriet er in der vergangenen Woche kurz ins Träumen. Angesprochen auf einen Lottoschein, den er von der SPD-Landtagsfraktion geschenkt bekommen hatte, verriet er, wofür er einen Gewinn ausgeben würde: „Ich habe so ein Faible für Schiffsmodelle.“ Kaum jemand, nicht einmal der Finanzminister, kann glaubhaft machen, dass er in den vergangenen Tagen nicht wenigstens für ein paar Sekunden an einen Millionengewinn gedacht hätte. Daran konnte auch der seit gut einem Jahr gültige Glücksspiel-Staatsvertrag nichts ändern, der eigentlich zum Ziel hat, „den natürlichen Spieltrieb der Bevölkerung in geordnete Bahnen zu lenken“. Geordnet waren allenfalls die langen Bahnen aus wartenden Menschen an den Lottokiosken.

Ansonsten hat sich gezeigt, wie wirkungslos, widersprüchlich und weltfremd das Regelwerk ist.
Die Bundesländer haben sich damit das Lottomonopol gesichert und private Lotto- und Sportwettenanbieter vom Markt gedrängt. Hunderte privater Anbieter haben Schadenersatzklagen eingereicht, die den Steuerzahler noch viel Geld kosten werden, denn spätestens der Europäische Gerichtshof wird das Glücksspielgesetz wieder kippen. Seit dem 1. Januar ist nun auch Lottospielen im Internet verboten. Vom Tippen kann das freilich niemanden abhalten, wie sich zeigt. Damit das Bundesverfassungsgericht dem Monopol nicht widerspricht, wurden abstruse Regeln für die Glücksspielwerbung eingeführt, um der angeblichen Lottosucht zu begegnen. So darf zwar weiterhin für den Jackpot auf Leuchttafeln geworben werden, diese dürfen jedoch nicht blinken – freilich nur in manchen Bundesländern. Einerseits tauchen Warnhinweise auf („Spielen mit Verantwortung“), andererseits wirbt auch der Deutsche Lottoblock auf seiner Internetseite für den Jackpot.

Der Gesetzgeber hat die Vormundschaft für Lotto spielende Bürger übernommen, ist der echten Suchtbekämpfung jedoch kein Stück näher gekommen. Spielsucht entsteht dort, wo es eine direkte Wirkung gibt: kleine Gewinne, dauerhafte Anspannung, Zigaretten und Alkohol. 80 Prozent der pathologischen Glücksspieler stecken ihr Geld in Spielautomaten. Der Rest verteilt sich am Pokertisch und im Casino. Mit der Lottofee hat das nichts zu tun.
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