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Die Croupiers im Casino Berlin dürfen derzeit ihrer Arbeit aufgrund eines Streits um Videoüberwachung derzeit nicht mehr nachgehen. Sie befürchten jedoch, künftig durch Automaten ersetzt zu werden.
Helmut Ritschie rückt sich seine schwarze Fliege zurecht, dann lässt er die Jetons zwischen seine Finger gleiten. Jede Bewegung des Croupiers am Roulettetisch sieht fließend aus, sie ist seit drei Jahrzehnten einstudiert. Doch seinen nächtlichen Arbeitsplatz darf der 51-Jährige bis auf weiteres nicht aufsuchen. Am Dienstag zeigte er bei einer Protestaktion sein Können in der Kälte – vor dem Eingang des Casinos Berlin am Alexanderplatz. Ende September teilte die Casino-Geschäftsführung ihm und seinen 34 Kollegen mit, dass die Croupiers vorläufig nicht mehr gebraucht würden – die Spieltische für Roulette, Poker und Black Jack könne aufgrund von „Sicherheitsbedenken“ nicht mehr bedienen. Ein Grundgehalt beziehen sie weiterhin – derzeit zumindest. Vorausgegangen war eine monatelange Auseinandersetzung zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung um eine vom Gesetzgeber seit März vorgeschriebene erweiterte Videoüberwachung. Die Croupiers hatten in einer umkämpften Betriebsvereinbarung zwar mehr Kameras akzeptiert, wehren sich aber gegen eine Live-Übertragung der Daten an die Duisburger Zentrale der Westspiel-Gruppe, zu der das Casino gehört. So lange kein Kompromiss erzielt ist, können Gäste in den Räumlichkeiten am Fuße des Fernsehturms nur noch an Automaten und elektronischen Spieltischen zocken. „Ich habe einige Krisen miterlebt“, sagt Ritschie, jetzt sei er nur noch „verbittert“. Seine Arbeit nicht mehr ausüben zu können, treffe ihn „hart“. Eine Alternative habe er nicht. Nach der Wiedervereinigung wurde der gebürtige Aachener vom Unternehmen nach Berlin versetzt, um die neuen Mitarbeiter an den Tischen anzulernen. Viel Erfahrung brauche man für den Job, betont er. Dieser bescherte ihm früher ein gutes Einkommen. 10 000 Mark, also rund 5000 Euro, habe er noch vor der Jahrtausendwende monatlich verdient. Heute sei es nur noch ein Drittel. Grund sind die immer spärlicher fließenden Trinkgelder, mit dem Croupiers größtenteils ihr Einkommen erzielen. Die Spiellandschaft habe sich ohnehin verändert – Automaten würden zunehmend das Personal verdrängen. „Dabei passen wir an den Tischen auf, dass sich niemand übernimmt.“ Den Wandel in der Branche bestätigt auch Frank Wolf, Finanzexperte der Dienstleistungsgesellschaft Ver.di. „In fast allen Casinos soll Personal eingespart“, sagt er. Der Druck sei groß, da der vom Gesetzgeber eingeführte Nichtraucherschutz sowie die Einlasskontrollen sich negativ auf die Einnahmen ausgewirkt hätten. Die Umsatzverluste beziffert Wolf auf durchschnittlich 30 Prozent. Christian Thiel, der seit einem Vierteljahrhundert allabendlich die Kugel dreht, hofft auf ein Einlenken seines Arbeitgebers. Schließlich hänge auch dessen Zukunft vom Ausgang der Auseinandersetzung ab. „Ohne das klassische Spiel würden sich das Casino von den hunderten Zockerhallen nicht mehr absetzen. Das ist eine Imagefrage“, sagt Thiel. Zudem verlöre das Casino möglicherweise seine Konzession, denn diese sehe auch ein beaufsichtigtes Glücksspiel vor. Automaten würden hingegen die Sucht befördern. Die Geschäftsführung will die Auseinandersetzung nicht kommentieren. Man arbeite intensiv an einer Lösung, sagt der Casino-Chef Wilfried Kämer. Die Lage sei ernst. Ein Sprecher der Duisburger Zentrale verweist auf das Berliner Spielbankengesetz. „Dort wird eine Überwachung gefordert, die mit der erzielten Betriebsvereinbarung nicht erfüllt werden kann.“ Dieses Argument sei „fadenscheinig“, sagt dagegen Gewerkschafter Wolf. Dem Casino gehe es eher darum, Menschen durch Automaten zu ersetzen. |
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